Erkrankungen des äusseren Genitale
Übersicht:
- Hodentumore (Fachbegriff: Hodenkarzinom)
- Entzündungen von Hoden und Nebenhoden (Fachbegriff: Orchitis und Epididymitis)
- Wasserbruch (Fachbegriff: Hydrocele testis)
- Nebenhodenzyste (Fachbegriff: Spermatocele)
- Krampfadern im Hodensack (Fachbegriff: Varikocele)
- Vorhautverengung (Fachbegriff: Phimose)
- Penisverkrümmung (Fachbegriff: Penisdeviation, Induratio penis plastica)
- Harnröhrenverengung (Fachbegriff: Urethrastriktur)
- Unterbindung (Fachbegriff: Vasektomie)
- Operative Wiederherstellung der Samenleiter nach Unterbindung (Fachbegriff: Vaso-Vasostomie)
- Impotenz / Erektionsstörungen
Hodentumore (Fachbegriff: Hodenkarzinom)
Hodentumore zeigen sich meist als schmerzlose, derbe und unregelmässige Schwellungen am Hoden. Dabei ist meist nur ein Hoden betroffen. In vielen Fällen besteht ein Grössenunterschied zwischen den beiden Hoden. Sind die Tumore grösser können sie auch sog. Spannungsschmerzen machen.
Hodentumore treten v.a. bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren auf. Die Abklärung besteht vor allem in Ultraschalluntersuchungen und evt. zusätzlichen bildgebenden Verfahren. Zudem können im Blut Substanzen nachgewiesen werden, welche die Art und die Aggressivität des Tumors näher eingrenzen.
Die Behandlung besteht in erster Linie in der operativen Entfernung des tumorös veränderten Hodens. Evtl. kommen im Anschluss medikamentöse oder strahlentherapeutische Massnahmen (Radiotherapie) hinzu. Insgesamt ist die Prognose von Hodentumoren bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut und die meisten Patienten können geheilt werden.
Entzündungen von Hoden und Nebenhoden (Fachbegriff: Orchitis und Epididymitis)
Die häufigste Entzündung im Hodensack (Skrotum) ist die Nebenhodenentzündung (Epididymitis). Dabei handelt es sich um eine aufsteigende Infektion der Samenwege, insbesondere des Nebenhodens, meist ausgehend von einer Harnwegsinfektion oder Geschlechtskrankheit. Ein weiterer Grund für immer wieder auftretende Nebenhodenentzündungen kann eine erschwerte Miktion bei Prostatavergrösserung oder Harnröhrenverengung sein. Die Epididymitis äussert sich in starken lokalen, häufig einseitigen Schmerzen sowie Rötung und Schwellung des Hodensackes, teilweise auch mit Fieber einhergehend. Meist besteht gleichzeitig ein Harnwegsinfekt. Oft findet sich auch eine Begleitentzündung des gleichseitigen Hoden (Begleitorchitis). Die Behandlung besteht in einer Antibiotika- und Schmerztherapie mit gleichzeitigem Ruhigstellen (Bettruhe, hochlagern des Hodensackes, kühlen). Zusätzlich müssen die verursachenden Gründe gesucht und allenfalls behandelt werden (Resturin, Prostatavergrösserung, etc.). In seltenen Fällen kann es zu Eiterbildung kommen, was unter Umständen eine operative Entfernung des Nebenhodens zur Folge haben kann. Isolierte Hodenentzündungen sind selten und meist viraler Ursache (z.B. bei Mumps). Sie werden symptomatisch und medikamentös behandelt.
Bei akuten Schmerzen im Hodenbereich muss, vor allem bei Knaben und jungen Erwachsenen immer eine Hodentorsion (Verdrehung des Hodens) ausgeschlossen werden, denn bei dieser ist der Hoden in Gefahr abzusterben, falls nicht rasch möglichst der Hoden operativ zurückgedreht werden kann. Hierbei handelt es sich um einen dringenden Notfall.
Wasserbruch (Fachbegriff: Hydrocele testis)
Eine Hydrocele ist eine Flüssigkeitsansammlung zwischen dem Hoden und den ihn umgebenden Hodenhüllen, so dass sich meist eine schmerzlose, prallelastische Schwellung ausbildet. Je nach Grösse kann dies dann zu einem deutlichen Schweregefühl und Problemen bei körperlichen Aktivitäten und den Tragen enger Kleidung führen.
Hydrocelen im Kindesalter sind meist durch den unvollständigen Verschluss zwischen Bauchraum und Hodensack gekennzeichnet, im Erwachsenenalter oft Folge von Entzündungen, Operationen oder Verletzungen der Genitalregion. Das Abpunktieren mit einer Spritze führt meist nicht zu dauerhaften Erfolgen und birgt die Gefahr der zusätzlichen Entzündung. Deshalb ist die Operation mit Entfernung der Hodenhüllen und zum Teil auch des Nebenhodens die Behandlung der Wahl.
Nebenhodenzyste (Fachbegriff: Spermatocele)
Bei Spermatocelen handelt es sich meist um ein oder mehrere prallelastische Knötchen im Bereich des Nebenhodenkopfes. Gelegentlich können diese druckempfindlich und somit auch schmerzhaft sein. In diesen Fällen ist dann auch ein operatives Vorgehen, eine Spermatocelenabtragung, angezeigt.
Krampfadern im Hodensack (Fachbegriff: Varikocele)
Dies ist eine Erweiterung des venösen Gefässkomplexes im Bereich des Hodensacks. Hier sind die Venen, Blutgefässe die das Blut von den Hoden und Nebenhoden zurück zum Herzen transportieren, betroffen. Die Venenklappen schliessen nicht mehr richtig und es resultiert ein Blutrückstau, der zur Ausbildung eines tastbaren und in vielen Fällen auch sichtbaren Gefässknäuels im Hodensack führt. Meist tritt dies erst nach der Pubertät in Erscheinung und oft ist nur die linke Seite betroffen. Grund ist der hier besondere Blutrückfluss der entsprechenden Vene bis hinauf in die linke Nierenvene und dem damit verbundenen erhöhten Gefässdruck. Eine Krampfader am Hoden kann gelegentlich Schmerzen verursachen und unter Umständen auch einen hemmenden Einfluss auf die Spermienqualität bewirken. Deshalb empfiehlt man bei entsprechenden Befunden eine Behandlung. Diese besteht in einer operativen Unterbindung oder Sklerosierung der entsprechenden Vene. Das Blut läuft dann über Umgehungskreisläufe aus dem Hodensack ab.
Vorhautverengung (Fachbegriff: Phimose)
Dies ist eine Erkrankung bei der die Vorhaut nicht oder nur mit Mühe über die Eichel des Penis zurückgestreift werden kann. Im Kleinkindalter ist dies normal, sollte sich aber bis zum 2. oder 3. Lebensjahr spontan zurückbilden, evtl. kann hier mit entsprechenden Salben ein gutes Resultat erreicht werden. Besteht eine Phimose im Jugend- und Erwachsenenalter kommt es bei der Miktion häufig zu einer Ballonierung der Vorhaut und wegen der "feuchten Kammer" und mangelnder Hygienemöglichkeit immer wieder zu Infektionen, was schliesslich eine starke Vernarbung der Vorhaut mit sich bringt. Nachtröpfeln und übler Uringeruch können einen starken Einfluss auf die Lebensqualität haben. Eine weitere Komplikation bei immer wieder auftretenden Infektionen ist die mögliche bösartige Veränderung der Penishaut zum sog. Peniskarzinom. Auch können beim Geschlechtsverkehr Infekterreger auf die Partnerin übertragen werden.
Die Behandlung der Phimose besteht in der operativen Entfernung der Vorhaut (Zirkumzision).
Penisverkrümmung (Fachbegriff: Penisdeviation, Induratio penis plastica)
Eine Penisverkrümmung kann mehrere Ursachen haben. Verletzungen des Penis beim Geschlechtsverkehr mit Einrissen der Schwellkörperhülle (sog. Penisfraktur) und anschliessendem Bluterguss, oder Verletzungen der Schwellkörper bei Verkehrs- oder Sportunfällen können mit einer anschliessenden Narbenbildung und einer entsprechenden Verkrümmung des Penis in erigiertem Zustand einhergehen. Eine Sonderform stellt die sogenannte Induratio penis plastica dar. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, wobei es zur Vernarbung der Schwellkörperhüllen kommt und dadurch ebenfalls eine Penisverkrümmung zur Folge haben kann.
Bei leichten Verkrümmungen sind keine Therapiemassnahmen notwendig. Ist die Krümmung so stark dass bei einer Erektion der Geschlechtsverkehr nicht mehr möglich ist muss der Penis mittels Operation begradigt werden.
Harnröhrenverengung (Fachbegriff: Urethrastriktur)
Verengungen der Harnröhre (Urethra) verursachen ähnliche Symptome wie eine Prostatavergrösserung. Hauptsymptome sind der abgeschwächte oder sehr dünne Harnstrahl, welcher gelegentlich in alle Richtungen spritzt. Häufig ist das Wasserlösen massiv verlängert und es findet sich häufig Restharn. Harnröhrenstrikturen entstehen häufig nach Verletzungen der Harnröhre bei Unfällen, nach Katheterisierungen im Spital oder beim Arzt oder können auch angeboren sein (sog. Urethralklappen).
Die Abklärung besteht meist in einer Harnleiterspiegelung und Röntgenuntersuchungen. Die Therapie geschieht meist operativ durch Eingriffe durch die Harnröhre oder bei schweren Fällen auch durch offene, aufwändige Operationen. Gelegentlich wird auch durch regelmässiges Aufdehnen (Bougierung) ein gutes Ergebnis erreicht.
Unterbindung (Fachbegriff: Vasektomie)
Operative Unterbindung beider Samenleiter, vorzugsweise im Hodensack, zur gezielten Schwangerschaftsverhütung. Die Zahl der Männer die hier zunehmend eine aktivere Rolle in der Schwangerschaftsverhütung übernehmen, steigt von Jahr zu Jahr. Dieser Eingriff wird fast ausschliesslich ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt.
Operative Wiederherstellung der Samenleiter nach Unterbindung (Fachbegriff: Vaso-Vasostomie)
Hierbei wir mittels mikrochirurgischer Technik der durchtrennte Samenleiter wieder zusammengefügt und die Durchgängigkeit wiederhergestellt. In vielen Fällen geht dies mit einer Wiedererlangung der Zeugungsfähigkeit einher. Wobei jedoch die Zeitdauer der vorangehenden Unterbindung und zusätzliche Erkrankungen (Durchblutungsstörungen, Diabetes, Hoden- und Nebenhodenkrankheiten) eine nicht unerhebliche Rolle spielen.
Impotenz / Erektionsstörungen
Störungen der Erektion, d.h. mangelhafte Steifigkeit des Penis, können viele verschiedene Ursachen haben. Häufig treten sie als Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (z.B. Betablocker, Antdepressiva), als Folge von Gefässverengungen wie Arteriosklerose, bei Nervenschädigungen z.B. durch Diabetes mellitus, Diskushernien, nach Wirbelsäulenverletzungen und -operationen, bei Mangel des männlichen Geschlechtshormon Testosteron, aber auch bei psychischen Problemen auf. Auch nach Operationen im kleinen Becken (z.B. Prostatakrebsoperation) kann es zu Erektionsstörungen kommen.
Die häufigsten Risikofaktoren sind Rauchen, hoher Blutdruck, Diabetes mellitus, Fettleibigkeit und die entsprechenden Erkrankungen die damit einhergehen.
Neben dem ausführlichen Gespräch, können durch spezielle Untersuchungen die Ursachen abgeklärt werden.
Meistens helfen Tabletten (z.B. Viagra, Levitra, Cialis), aber auch die Behandlung mit Schwellkörperinjektionen, Vakuumpumpe oder Penisprothesen werden angewendet.
