Brachytherapie



Der Prostatakrebs ist der am häufigsten diagnostizierte Tumor des Mannes und kann im Frühstadium geheilt werden. Zur weltweit etablierten Behandlung des lokal begrenzten Prostatakrebses stehen die chirurgische Prostataentfernung, die konventionelle äussere Hochvoltbestrahlung und auch die Brachytherapie zur Verfügung.

Was ist eine Brachytherapie?

Die Bezeichnung Brachytherapie kommt vom griechischen Wort "brachys" (= kurz) und deutet an,dass die Strahlenquellen ihre Wirkung nur lokal und über eine kurze Distanz entfalten.Die Nachbarorgane werden so nur minimal belastet.

Prinzipiell gibt es bei der Brachytherapie mit den High Dose Rate (HDR) und Low Dose Rate (LDR) zwei Verfahren.

Bei der High Dose Rate wird eine hohe Dosis über kurze Zeit, bei der Low Dose Rate eine niedrige Dosis über längere Zeit appliziert. Die HDR wird in der Regel mit einer Bestrahlung von aussen kombiniert, währenddem die LDR meist als Monotherapie durchgeführt wird.

Bei dem hier vorgestellten Low Dose Rate-Verfahren, das am häufigsten verwendet wird, werden die Strahler - meist Jod-125 - permanent in die Prostata implantiert. Diese sind reiskorngrosse radioaktive Strahler, sogenannte Seeds.


Brachytherapie-Seed

Brachytherapie-Seed


Die knapp fünf Millimeter kleinen Seeds haben eine Titanhülle, die zu keinerlei unerwünschten Gewebsreaktionen führt. Je nach gewählter Aktivität der Seeds und Prostatagrsse werden bei uns zwischen 40 und 60 Seeds implantiert. Diese Seeds werden nach genauer Vorberechnung am Computer und mit Hilfe eines Ultraschalls sowie eines Zielrasters mittels Hohlnadeln vom Damm her in die Prostata eingeführt und dort implantiert.

Brachytherapie

Die von den Seeds emittierte Strahlungsenergie bewirkt das Abtöten der Tumorzellen. Diese Seeds strahlen über Monate mit einer geringeren Dosisleistung, sodass die Nebenwirkungen reduziert werden können. Jod-125 hat eine Halbwertszeit von rund 60 Tagen, sodass nach neun bis zehn Monaten keine relevante Strahlung mehr vorhanden ist.

Die Brachytherapie mit Permanentimplantaten wurde Mitte der 80er Jahre dank neuer Ultraschalltechnik und computerunterstützter Berechnungsmethodik in den USA revolutioniert und in dieser Form etabliert.

In der Schweiz wurde die Brachytherapie 2001 im Kantonsspital St. Gallen eingeführt und ist 2005 in den Pflichtleistungskatalog der Schweizer Krankenkassen aufgenommen worden.

Schonende Strahlentherapie

Da diese Strahler nur eine geringe Eindringtiefe haben, wird das umliegende Gewebe wie Enddarm, Potenznervenfasern und der Schliessmuskel maximal geschont. Auch müssen so bezüglich Strahlenschutz weder beim Patienten noch bei seiner Umwelt besondere Vorkehrungen getroffen werden. Gute Verträglichkeit und weniger Potenzprobleme Die Spickung der Prostata mit Seeds ist insgesamt gut verträglich und hinterlässt keine äusseren Spuren.

Nicht geeignet ist die Brachytherapie bei Patienten mit bestehenden Harnabflussproblemen, weil die Behandlung zu einer Anschwellung der Prostata führt und das Wasserlösen unter Umständen über eine gewisse Zeit erschwert sein kann. Relativ häufig kommt es üblicherweise vier bis sechs Wochen nach der Behandlung zu einer Reizung der Prostata mit gehäuftem Wasserlösen, vergleichbar mit einer leichten Harnblasenentzündung. Diese Beschwerden sind meistens mit Medikamenten gut behandelbar und verringern sich mit Abnahme der Energie der Seeds. Dank Schonung der umliegenden Organe wie Harnblase, Harnröhre und Enddarm können im Vergleich zur herkömmlichen Bestrahlung von aussen insbesondere Potenz- und Kontinenzprobleme weitgehend verhindert werden.Zudem erfordert der relativ schmerzarme Eingriff nur wenige Tage Hospitalisation, was auch von volkswirtschaftlicher Bedeutung ist.

Zusammenarbeit im Team

Die Planung und Durchführung der Brachytherapie erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen dem Urologen, dem Strahlenphysiker und dem Strahlentherapeuten.

In den USA und in weiten Teilen Europas hat sich die Brachytherapie als vielversprechende und sichere Behandlungsoption beim Prostatakrebs im Frühstadium bewährt und etabliert. In den USA selber werden heute bereits mehr Patienten mittels Brachytherapie behandelt als operiert. In der Schweiz wird die Brachytherapie erst von einzelnen spezialisierten Kliniken angeboten, darunter der Uroviva, Spezialklinik für Urologie.

Kann jeder Mann mit einem Prostatakrebs mittels Brachytherapie behandelt werden?

Ob eine Brachytherapie durchgeführt werden kann, hängt prinzipiell von einigen Voraussetzungen ab. Im Wesentlichen sollte der Tumor wie bei der Operation oder Bestrahlung von aussen noch auf die Prostata beschränkt sein, und der Tumor darf für eine Brachytherapie in der Gewebeuntersuchung kein allzu aggressives Muster aufweisen. Auch ein sehr hoher "Prostatawert" im Blut (PSA = Prostata spezifisches Antigen) könnte auf ein fortgeschrittenes Tumorleiden hindeuten, sodass man mit einer Brachytherapie zurückhaltend ist. Da die Prostata unter der Behandlung anschwillt, wird in der Regel niemandem mit starken Schwierigkeiten beim Wasserlösen eine Brachytherapie empfohlen.

Zusammenfassung

Die Brachytherapie wird beim lokalisierten Prostatakrebs auch in Europa immer häufiger angewendet. Wie Langzeitstudien aus den USA belegen, sind die Resultate bezüglich Tumorheilung nach Brachytherapie gleichwertig wie nach operativer Entfernung der Prostata oder Bestrahlung von aussen. Die Nebenwirkungen - vor allem bezüglich Potenz und Kontinenz - scheinen bei der Brachytherapie weniger zu sein als nach Radikaloperation oder äusserer Bestrahlung.

Von Dr. med. Ladislav Prikler und Dr. med. Roger Gablinger 2/2007

 

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